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HISTORIE – DIE KREUZFAHRT – WIE NAHM SIE IHREN ANFANG?

Bereits vor über einhundert Jahren sehnten sich die Menschen danach, jede verwinkelte Fläche bereisen zu können – große Meere zu durchqueren war ihr Traum. Ihr Antrieb waren Fernweh und Reiselust. In den Jahren 1840/1850 war es schließlich soweit; bis zur Entwicklung eines Kreuzfahrtschiffes, wie wir es heute kennen, sollte es noch etwas dauern – Passagier-Dampfmaschinen mit Schraubenantrieb waren die Vorläufer. Die Fahrt ging von Europa nach Nordamerika und diese Route wurde hauptsächlich von Auswanderern genutzt, die nach Amerika wollten. Ungeduldige waren an Bord dieses Schiffes nicht gut aufgehoben, denn zu dieser Zeit dauerte die Überfahrt teilweise 110 Tage.

LUXERIÖSE KABINEN? WEIT GEFEHLT!

Damals musste man sich mit der 5. Klasse begnügen und tief im Inneren des Schiffes ausharren, bis die Reise beendet war. Lediglich für ihr Essen verließen die Auswanderer ihr karges Reich und warteten bei jedem Wetter in einer langen Schlange von Menschen auf ihre Ration. Selbstverständlich durften Männer und Frauen zu dieser Zeit nur getrennt reisen – gemischte Kabinen duldete man nicht.

Die Reedereien befanden sich damals schon in einem mächtigen Konkurrenzkampf. Es war recht kostspielig, so viele Tage auf dem Wasser unterwegs zu sein. Aus diesem Grunde suchten alle nach schnelleren Routen – das Dampfschiff mit der schnellsten Überfahrt wurde mit dem blauen Band gekürt.

Albert Ballin, der Direktor der „Hamburg-Amerikanischen-Paketfahrt-Aktien-Gesellschaft“, kurz Hapag genannt, nutzte die Flaute der Schifffahrt in den Wintermonaten für eine lukrative Geschäftsidee. Während der kalten Jahreszeit wollte niemand auf das Wasser, weil es auf dem Atlantik zu gefährlich war. 1891 bot er Vergnügungsreisen im größeren Rahmen an.

Augusta Victoria“ hieß sein erstes Kreuzfahrtschiff. Es erregte wegen drei mächtiger Schornsteine an Bord eine Menge Aufsehen. Zu diesem Zeitpunkt war es mit 7661 Bruttoregistertonnen das größte Passagierschiff. Die erste Fahrt ging von Cuxhaven in Richtung Orient.

Die Fahrt fand am 22. Januar 1891 statt und sollte 57 Tage andauern. Es waren 241 Passagiere an Bord, die den Luxus genossen und aus reiner Reiselust an der Exkursion teilnahmen. Alexandria, Beirut und Konstantinopel (das heutige Istanbul) wurden angesteuert.

BERÜHMTER WERBETRÄGER BALLINS – SEIN SPÄTERER FREUND KAISER WILHELM II.

Kaiser Wilhelm II. inspizierte das Schiff beim Auslaufen. Ursprünglich sollte das Kreuzfahrtschiff der Gattin des Kaisers gewidmet werden – diese hieß allerdings Auguste Victoria. Bei Albert Ballin hat sich also ein kleiner Fehlerteufel eingeschlichen. Dennoch nutzte er die zufällige Anwesenheit Kaiser Wilhelms des zweiten in Cuxhaven für seine späteren Touren als Leumund. Aufgrund des Erfolges und der hohen Nachfrage wurden größere, schnellere Schiffe gebaut, die mehr Reisende aufnehmen konnten.

„PRINZESSIN VIKTORIA LUISE“ – DAS ERSTE OFFIZIELLE KREUZFAHRTSCHIFF LÄDT IN DIE KARIBIK EIN

1901 stach die Prinzessin in See. An Bord befanden sich elitäre und vermögende Damen und Herren in Champagnerlaune. Auch die folgenden Kreuzfahrten waren diesen Kreisen vorbehalten – ärmere Menschen konnten sich den Luxus zwischen Kaviar und Austern nicht leisten. Vermutlich wäre die Kluft zwischen diesen 2-Klassen-Gesellschaften auch zu groß gewesen. Das Motto „Leben und Leben lassen“ hat zu dieser Zeit nicht funktioniert. Abendveranstaltungen hatten damals einen anderen Stellenwert. Während wir heutzutage zu Latinomusik unsere Hüften schwingen oder voller Inbrunst Karaoke singen, zelebrierten die Menschen vor 100 Jahren riesige Gala-Abende.

Von 1914 bis 1918 wurde die Leidenschaft für die Kreuzfahrt jäh unterbrochen – der erste Weltkrieg war ausgebrochen und forderte viele Opfer. Trotz aller Schicksalsschläge erholte sich die Kreuzfahrtindustrie überraschend schnell wieder. Die Reedereien erkannten, dass die traumatisierten Menschen wieder träumen wollten – sie brauchten etwas, was ihnen wieder Freude machte.

Zu diesem Zeitpunkt profitierten ausschließlich die Menschen von dem Neubeginn der Kreuzfahrt, die über Erspartes verfügten. Es ging nahtlos weiter – die Menschen wollten zeigen, was sie hatten. Sie waren stolz – trotz ihrer Niederlage im Krieg. Das wollten sie auch zeigen.

Es ging wieder an Bord – das bunte Spektakel begann von neuem. Allerdings nicht auf der „Augusta Victoria„. Das Passagierschiff wurde im Jahre 1904 an die russische Armee verkauft und für andere Zwecke umgebaut. Das Schiff hieß fortan „Kuban“ und wurde im russisch-japanischen Krieg eingesetzt – mit bösen Folgen. Nach der Rückkehr nach Stettin im Jahre 1907 wurde es abgewrackt – es durfte nicht mal 20 Jahre alt werden!

AUGUSTA VICTORIA GEHT – KAISERIN AUGUSTE VICTORIA KOMMT

In Anlehnung an die Gattin des Kaisers Wilhelm des zweiten realisiert die Reederei nun das, was Albert Ballin aufgrund eines Schreibfehlers nicht gelungen war; das Schiff wird nach der Kaiserin Auguste Victoria benannt! Dementsprechend prunkvoll ging es an Bord weiter – ein erlauchter Kreis begibt sich auf das Meer und genießt den Wohlstand.

Ein Outfit pro Abend? Weit gefehlt! Es wurde sich ständig umgezogen – besonders die Damen präsentierten voller Stolz ihre ominösen Kleider. Fünf riesige Koffer waren für eine Frau pro Reise nichts ungewöhnliches. Es gab ein Ritual, das wir heute in dieser Form nur kennen, wenn ein lieber Mensch verstorben ist; wir tragen schwarz, als Ausdruck unserer Trauer. Damals hüllte man sich auch in schwarz, wenn die Seereise ihr Ende nahm. Man zeigte dadurch offiziell sein tiefes Bedauern über diesen Zustand.

Es hätte eigentlich so weitergehen können mit der Kreuzfahrt – alle waren zufrieden, genossen den Luxus an Bord und bestaunten den Wellengang an Deck. Wahrscheinlich hätte sich die Kreuzfahrt gewandelt und auch einfachen Menschen die Vorzüge dieses Fortbewegungsmittels ermöglicht.

Wie das Leben aber so spielt enden manche Dinge, wenn sie am schönsten sind…

„ÜBER DEN WOLKEN, MUSS DIE FREIHEIT WOHL GRENZENLOS SEIN…“

Zur damaligen Zeit hätte man vielleicht erwartet, dass ein Konkurrenzunternehmen einen noch pompöseren Luxusliner baut und die Passagiere für sich gewinnt. Dagegen hätte man eventuell konkurrieren können.

Die Konkurrent kam aber aus einer ganz anderen Richtung und hatte nicht vor, jemals in See zu stechen – Wasser war nicht ihr Element.

DAS ERSTE PASSAGIERFLUGZEUG BREMSTE DIE WEITERENTWICKLUNG DER SCHIFFFAHRT

Mitte des 20. Jahrhunderts blieben die Kabinen der Schiffe vorwiegend leer. Das Passagierflugzeug lief ihnen den Rang ab. Es war ohnehin oft schwierig für die Reedereien, in den Wintermonaten ausreichend Passagiere zu finden. Eine Überfahrt rechnete sich nur, wenn möglichst alle Kabinen belegt waren.

Genau deswegen hatte Albert Ballin schließlich die Vergnügungsfahrten arrangiert, die auch lange nach seinem Ableben noch Anklang fanden. Inzwischen flogen die Menschen aber lieber. Sie genossen es, zügig an ihrem Reiseziel zu sein. Sollte es das mit den romantischen Kreuzfahrten gewesen sein?

DEN BLICK ERWEITERN UND DIE MENSCHEN ERREICHEN – DIE REEDEREIEN MISCHEN IHRE KARTEN NEU

So konnte es mit der Kreuzfahrt nicht weitergehen. Wenn schon die obere Schicht nicht mehr gewillt war, auf einem Schiff zu reisen, musste die Mittelschicht mobilisiert werden. Das war nur über den Preis möglich; horrende Summen konnten sie nicht aufbringen. Die Kosten wurden angepasst und die Schifffahrt wurde auch für den Mittelstand bezahlbar. Geködert wurden sie durch Themen und Eventkreuzfahrten.

Die Kreuzfahrtschiffe glichen immer mehr einer kleinen Stadt – es gab Spielcasinos, Friseure, Wellness, Pools und Discotheken an Bord. Die strenge Kleiderordnung wurde aufgehoben – es ging lockerer zu. Dennoch ließ man nicht völlig vom alten Konzept ab – man wollte die Oberschicht nicht ganz aus den Augen verlieren.

„KLASISCHE KREUZFAHRTEN“ WAREN QUASI FÜR DIE OBEREN ZEHNTAUSEND. HIER GRIFFEN DIE ALTEN KONZEPTE MIT GALAS UND POMPÖSER ABENDGARDEROBE.

DER NATIONALSOZIALISMUS MISSBRAUCHT DIE KREUZFAHRT-PLATTFORM ALS BELOHNUNGSSYSTEM

Von 1934 bis 1939 standen die Zeichen auf der Gemeinschaft „Kraft durch Freude“. Diese nationalsozialistische Vereinigung stellte zwölf Kreuzfahrtschiffe in ihren Dienst. Die Flotte wurde aufgerüstet und komfortabler hergerichtet. Da die Führungskräfte des Nationalsozialismus wussten, dass es ohne die einfachen Arbeiter kein Fortkommen geben würde, führten sie ein Belohnungssystem ein.

Für ihre guten Dienste durften die Arbeiter an einer Kreuzfahrt teilnehmen. Da sie wussten, dass sie sich diese Reisen aus eigener Kraft niemals leisten könnten, nahmen sie diese Möglichkeit gerne wahr.

ZWISCHEN OSTSEE UND KUBA – DIE DEUTSCH-DEMOKRATISCHE- REPUBLIK (DDR) BELOHNT IHR VOLK

Das Belohnungssystem wurde auch seitens der DDR genutzt. Da die Regierenden allerdings Angst vor Republikflucht hatten, ließen sie nur Reiseziele in politisch-unbedenkliche Länder zu. Die Ostsee-Kuba-Route war daher die gängigste.

Die Staatssicherheit ließ ihre Passagiere und die Crew niemals aus den Augen. Dennoch gelang es im Laufe der Jahre einigen Personen, ihre Flucht in den Westen anzutreten. Bei den Landausflügen in Helsinki nutzten die meisten Passagiere die Gelegenheit zur Flucht.

BELOHNUNGEN FÜHRTEN ZUM FINANZIELLEN DESASTER

Die DDR begann damit, den Reichtum des Westens für sich zu nutzen. Die meisten ihrer Schiffe vermieteten sie an westliche Reiseunternehmen. Außerdem mussten die Arbeiter einen Obolus für ihre Reise entrichten – das komplette Belohnungssystem gab es nicht mehr. Es wurde in ein Bonussystem umgewandelt.

Die Entwicklung zu Zeiten des zweiten Weltkrieges und der DDR verdeutlicht uns, dass Unternehmen entmachtet und für eigene Zwecke missbraucht wurden. Diese Maßnahmen sind in anderen Ländern noch immer aktuell und eine gängige Methode, dem eigenen Volk zu signalisieren, dass es unmündig ist.

Kreuzfahrten, die eigentlich als Vergnügungsfahrt gedacht waren, wurden zweckentfremdet. Auf diese Weise wurden die Menschen ruhiggestellt und man hatte sie unter Kontrolle. Glücklicherweise ist diese Phase vorbei und die Kreuzfahrt kann weiter wachsen – mit Menschen, die einfach Freude an der Fahrt über das Meer haben.

„FÜR JEDES PORTEMONNAIE UND JEDEN KUNDEN GIBT ES DAS PASSENDE SCHIFF“ (KARL J. POJER) – DAS NEUE CREDO DER KREUZFAHRTBRANCHE

Das Unternehmen Hapag, dessen damaliger Direktor Albert Ballin den Stein bezüglich der Vergnügungsreisen ins Rollen brachte, fusionierte im Jahr 1970 mit der Norddeutschen Lloyd und heißt seitdem Hapag-Lloyd-Cruises. Der Vorsitzende der Geschäftsführung Karl J. Pojer hat die Jahreszahl 1891 in sein Firmenlogo aufgenommen, um an die Anfänge von damals zu erinnern.

Für das Jahr 2016 hatte sich die Hapag-Lloyd-Cruises vorgenommen, den Anteil der internationalen Passagiere an Bord von 7 % auf 15 % zu erhöhen. In den Niederlanden, Belgien, Großbritannien und Skandinavien wurde verstärkt Werbung betrieben – mit Erfolg! Mit einem weiteren Detail erinnert das Unternehmen an den Direktor von einst; alle Gäste werden in ihren Kabinen mit einem frischen Blumenstrauß begrüßt.

Derzeit verfügt die Hapag-Lloyd-Cruises über vier große Kreuzfahrtschiffe;

  • die MS Europa
  • die MS Europa 2
  • die MS Bremen und
  • die MS Hanseatic.

RÜCKBLICK – PASSAGIERDAMPFER DER STUNDE NULL:

  • Um 1890: Passagierdampfer Maria Theresia
  • Um 1891: Passagierdampfer Augusta Victoria
  • Um 1900: Passagierdampfer Preußen liegt im Heimathafen Antwerpen
  • Passagierdampfer Kurfürst mit prunkvollem Speisesaal und Damensalon
  • Um 1901: Passagierdampfer Prinzessin Viktoria Luise
  • Um 1905: Reichspostdampfer König Albert
  • Um 1906: Passagierdampfer Kaiserin Auguste Victoria
  • Um 1913: Passagierdampfer Vaterland (Blohm & Voss)
  • Um 1925: Passagierdampfer München liegt im Heimathafen Bremerhaven
  • Um 1928: Luxusdampfer Bremen (Norddeutsche Lloyd)
  • Passagierdampfer Düsseldorf
  • Passagierdampfer Columbus
  • Passagierdampfer SIERRA MORENA
  • Um 1930: Schnelldampfer Europa (Norddeutsche Lloyd)
  • Heute: Kreuzfahrtschiff MS Columbus (Hapag-Lloyd-Cruises)
  • Containerschiff Shanghai Express

ZWEITES STANDBEIN WIRD ZUR WICHTIGSTEN EINNAHMEQUELLE DER HAPAG-LLOYD

Die Hapag Lloyd hat ihren Sitz in Hamburg – der Hafenstadt. Da ist es eine logische Konsequenz, das sich das Unternehmen im großen Stil im Bereich des Containertransportes einbringt. Das größte Containerschiff der Flotte von Hapag Lloyd erinnert dem Namen nach an ein Kreuzfahrtschiff: Shanghai Express.

IN ERINNERUNG AN DIE AUGUSTA VICTORIA – TECHNISCHE DATEN

  • Baujahr: 1888
  • Länge: 145 Meter
  • Breite: 17 Meter
  • Geschwindigkeit: 19 Knoten
  • Passagieranzahl maximal: 240

IM VERGLEICH DIE BEIDEN ZWEITGRÖSSTEN KREUZFAHRTSCHIFFE DER WELT „ALLURE OF THE SEAS“ UND „OASIS OF THE SEAS“

  • Baujahr: 2009/2010
  • Länge: 361 Meter
  • Breite: 65 Meter
  • Geschwindigkeit: 22 Knoten
  • Passagieranzahl maximal: 5400

Bedenkt man, dass das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, der „HARMONY OF THE SEAS“ um ein Vielfaches größer ist als die beiden Schwesternschiffe, erkennt man die Dimensionen. Vermutlich werden im Laufe der Jahre immer mehr Plätze für Passagiere geschaffen. Bei einer Fahrt sollen so viele Personen wie möglich befördert werden.

Es soll sich aber niemand eingeengt fühlen – jede einzelne Person bekommt ausreichend Raum für sich. Die schwimmende Stadt nimmt immer größere Ausmaße an. Auffallend ist, dass die Kreuzfahrtschiffe einerseits weiterentwickelt werden, andererseits aber einer Baureihe entsprechen. Die Baureihen steigern sich bezüglich der Ausmaße des jeweiligen Schiffes. Erkennbar sind diese Kreuzfahrtschiffe an ihren Namen, die sich wiederholen.

BEISPIELE:

  • MS EUROPA 1
  • MS EUROPA 2
  • ALLURE OF THE SEAS
  • OASIS OF THE SEAS
  • HARMONY OF THE SEAS.
Haben Werften und Reedereien gute Erfahrungen mit einer Baureihe gemacht, gibt es keinen Grund, nicht an den Bauplänen festzuhalten. Sie werden optimiert und es entstehen neue Schiffe. Je nach Buchungs-Kapazität kommen sie zum Einsatz.

Auch wenn der Trend in Richtung größerer Schiffe geht, werden auch die kleinen Schiffe gebraucht. Angebot und Nachfrage werden kontinuierlich überprüft – nur so kann reagiert werden.

Einige Gäste haben schon an der ein oder anderen Kreuzfahrt teilgenommen und möchten diese wiederholen. Sie wünschen sich einen Platz auf einem bestimmten Schiff. Es wäre also ein wirtschaftlicher Nachteil, die Schiffe einfach auszutauschen.