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Europäisches Brotmuseum e.V. – Wissenswertes aus über 6.000 Jahre Kulturgeschichte des Brotes

Das Interview mit Agnieszka Steuerwald vom Verein Europäisches Brotmuseum e.V.

Bitte beschreiben Sie Ihren Verein Europäisches Brotmuseum e.V.

Europäisches Brotmuseum 1711 VereinDas Europäische Brotmuseum e.V. wurde 1970 gegründet. In diesem Jahr feiern wir 50-jähriges Jubiläum und blicken auf eine erfolgreiche Geschichte dieses Fachmuseums zurück.

Im Brotmuseum erfährt man Wissenswertes aus über 6.000 Jahre Kulturgeschichte des Brotes, Entwicklung der Landwirtschaft, der Getreideverarbeitung und des Bäckerhandwerks. Im Museumgebäude ist die Dauerausstellung „Vom Korn zum Brot“ auf 800 qm Ausstellungsfläche zu sehen. Hier finden auch jährlich wechselnde Sonderausstellung statt und Backaktionen in der historischen Backstube. Auf 2 ha Ausstellungsfläche im Außengelände können Besucher einen Getreide- und Heilpflanzengarten, zwei historische Mühlen und nachgebauten Öfen aus verschiedenen Epochen bestaunen. Die Parkanlage mit altem Baumbestand, mittelalterlicher Wehr- und Wohnturm und das auszeit – Café mit Herz auf dem Museumsgelände runden das Angebot ab. Jährlich begrüßen wir ca.15.000 begeisterte Besucher.

Brot ist einfach viel mehr als ein Grundnahrungsmittel.

Es ist das Symbol des Lebens, der christlichen Werte und der europäischen Werte. Fast jeder Mensch in Europa fängt den Tag mit Brot oder Brötchen an. Brot überragt die Landesgrenzen, Kulturen und Religionen. Das erklärt auch, warum es so einfach für uns ist, die Menschen für das Thema zu begeistern, und zwar unabhängig von Alter, Bildungstand, oder Sozialstatus.

Ich hoffe, wir sehen uns dieses Jahr in Ebergötzen und am besten besuchen Sie gleich die Wilhelm-Busch-Mühle, die nur 750 Meter von uns entfernt liegt…

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Bitte erzählen Sie uns etwas zu den wichtigsten geschichtlichen Ereignissen des Brotes.

Bockwindmühle 1812 Europäisches Brotmuseum VereinDie Geschichte des Brotes ist unglaublich spannend. Es ist die Geschichte der Menschheit seit dem wir sesshaft geworden sind. Im Mitteleuropa waren das die Bandkeramiker, die bereits 5.500 € v.Chr. Getreide angebaut und Brot gebacken haben. Die Entdeckung des Ackerbaus war die fundamentale Entdeckung, die den regelmäßigen Konsum vom Getreide und Brot überhaupt möglich gemacht hat.

Die Entdeckung der gesäuerten Teige, also das Backen mit Hefe und Sauerteig, die den alten Ägypter zugeschrieben wird, machte die Brote zu einer Delikatesse. Genauso wichtig war die Erfindung der geschlossenen Öfen, die notwendig waren und Brotleibe zu backen, denn auf heißen Steinen oder in der Asche lassen sich nur Fladenbrote backen.  Die Vorrichtung zum Mahlen, Kneten und Backen haben Römer wiederum so weit perfektioniert, dass sie in der Lage waren, große Mengen vom Brot für die ganze Bevölkerung zu liefern.

Brot war in der Geschichte aber auch Politikum, oft nur den Reichen vorbehalten, in den Notzeiten reglementiert oder gestreckt.

Es gibt eine ganze Reihe von kleinen und großen Ereignissen, die die Geschichte des Brotes prägten…

Was möchten Sie mit Ihrem Brotmuseum erreichen?

MuseumsgartenUnsere Hauptaufgabe als Museum besteht darin Exponate, die wir in unserem Fundus besitzen, sachgerecht aufzubewahren, zu pflegen und auf interessante Art auszustellen. Wir wollen dabei nicht nur die Geschichte des Brotes vermitteln, sondern auch auf solche Themen aufmerksam machen, wie: gesunde Ernährung, respektvoller Umgang mit den Lebensmitteln und der Umwelt, Ernährungsprobleme auf der Welt oder nachhaltige Landwirtschaft. Die Sensibilisierung auf diese Themen empfinden wir als sehr wichtig. Wenn wir heute in der Globalen Welt nachhaltig leben wollen, müssen wir alle darauf achten, dass es umweltbewusst produziert und konsumiert wird.

Bei unserer Arbeit im Museum verstehen wir uns als Botschafter des handwerklich hergestellten Brotes.

Der Brotmarkt ist heute sehr vielfältig und für viele unüberschaubar. Deswegen wollen wir auch Orientierungshilfe geben und zum Nachdenken anregen. Als Brotnation mit über 3.000 Brot-Spezialitäten, die auf die Brotvielfalt und das Bäckerhandwerk stolz ist, müssen wir darauf achten, dass die deutsche Brotkultur erhalten bleibt. Wer sich also ein handwerkliches Brot, mit seinem echten Geschmack und am besten aus Biozutaten wünscht, darf nicht industrielles Brot im Supermarkt einkaufen. Zurzeit entsteht leider nur noch 1/3 des in Deutschland hergestellten Brotes in handwerklichen Betrieben. Es lässt sich aber ein positiver Trend zum Handwerk beobachten und diesen wollen wir auch unterstützen!

Welche Ausstellung haben Sie derzeit und welche haben Sie für 2020 geplant?

Unsere Dauerausstellung „von Korn zum Brot“ ist über die ganze Saison zu sehen. Zusätzlich präsentieren wir jedes Jahr eine neue Sonderausstellung. Im diesem Jahr zeigen wir „BrotZeit – schneiden, essen, aufbewahren“. Diese Ausstellung wird aktuell noch konzipiert, daher möchte ich nicht allzu viel verraten. Ab Ende März kann sie jedoch erkundet werden und schon jetzt laden wir alle herzlich dazu ein.

Was hat die Bockwindmühle und die Wassermühle mit der Geschichte des Brotes auf sich?

Küstler-BrottellerÜber Jahrtausende wurde das Korn zum Mehl mit der Muskelkraft der Menschen oder Tieren gemahlen, was natürlich sehr mühselig war. Die Entdeckung der Mühlen im Mittelalter ermöglichte die Nutzung der Wind- und Wasserenergie. Vor allem aber erleichterte es das Mahlen der Getreidekörner und verkürzte dadurch den langen Weg vom Korn zum fertigen Brot. Diese Erfolgsgeschichte reichte bis in das 20. Jahrhundert. Früher gab es praktisch in jedem Ort eine oder mehrere Wind- oder Wassermühlen. Von den 19.000 Mühlen, die es noch 1950 gab, sind es heute nur um die 500. Es sind vor allem industrielle Mühlen. Am Mühlentag jedes Jahres öffnen jedoch fast 1.000 historische Mühlen ihre Türen. Sie müssen aber nicht bis zum Deutschen Mühlentag am 1. Juni warten. Unsere Bockwindmühle von 1812 und die Wassermühle um 1600 können während der Öffnungszeiten besichtig werden.

Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene bieten Sie zudem auch Backaktionen an. Wie kann man sich für diese anmelden? Und was erwartet die Teilnehmer?

Vorbereitung der BackaktionUnsere Backaktionen sind sehr beliebt. Dabei können wir unsere Besucher mit allen Sinnen erreichen. Sie erleben sich wirksam und sind einfach glücklich, wenn sie in das selbstgebackene Brot beißen können.

Allein im Herbst besuchen uns fast 4.000 Schüler und die meisten Schulklassen wollen natürlich Brot backen. Die Backaktionen sind für alle Menschen von 3 bis 99 Jahren geeignet. Gruppen ab 15 Personen können sich dafür per Mail oder telefonisch anmelden. Den Brotteig für unsere Aktionen stellt der benachbarte Biohof „Brothof Waake“ her. In der Backstube vor Ort wird abgewogen, rundgewirkt, geformt und ausgebacken. Die Teilnehmer kneten unter Anleitung einer Bäckerin noch einmal den Teig, dann formen sie ihre Brote und während diese aufgehen und ausgebacken werden hat man Zeit das Museum mit Hilfe einer Rallye zu erkunden.

Die Vielfalt der Formen, die bei den Brotback-Aktionen entstehen, ist wirklich ganz besonders. Das sind keine normalen Brote. Das ist richtige Brotkunst!

Wie können Sie sich finanzieren? Erhalten Sie hier finanzielle Unterstützung?

Das Europäisches Brotmuseum e.V. finanziert sich überwiegend durch die Eintrittsgelder. Die Einnahmen reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die Ausgaben zu decken. Wir sind auf die Förderbeiträge der Mitglieder, Spenden und den Zuschuss des Landkreises Göttingen angewiesen. Die finanzielle Situation ist trotzdem angespannt. Der Erfolg des Museums wird trotz aller Widrigkeiten vom Engagement des kleinen Museumsteams und den ehrenamtlichen Mitarbeitern getragen.

Was wünschen Sie Ihrem Verein für die Zukunft?

Für die nächsten 50 Jahre wünsche ich uns weiter viele interessierte Besucher, engagierte Vereinsmitglieder aber auch Sponsoren, die uns helfen unsere Arbeit erfolgreich fortzusetzen. Des Weiteren wünsche ich uns allen, dass wir den echten, authentischen Geschmack des Brotes schätzen und versuchen diesen zu bewahren.

Ich wünsche uns viele handwerkliche Bäckereien, die sich klar von der Industrie abgrenzen können und viele Kunden, die bereit sind den höheren Preis für das handwerkliche Brot zu zahlen.

Herzlichen Dank, Agnieszka Steuerwald. Wir von ExpertenTesten wünschen Ihnen und dem Verein Europäisches Brotmuseum e.V. weiterhin viel Erfolg.

Über die Redakteurin

Laura Hoffmann

Laura Hoffmann arbeitet als freie Redakteurin seit 2016 für expertentesten.de. Ihr Kernbereich liegt dabei in der Recherche spannender Interviewpartner aus den Ressorts Kultur, Sport und Wirtschaft.

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