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Förderverein Deutsches Baumschulmuseum e.V. – Bedeutung von Gehölzen und deren Produktion

Das Interview mit Dr. Heike Meyer-Schoppa vom Förderverein Deutsches Baumschulmuseum e.V.

Bitte beschreiben Sie kurz Ihren Verein Förderverein Deutsches Baumschulmuseum e.V.

Ein Interview mit Dr. Heike Meyer-Schoppa vom Förderverein Deutsches Baumschulmuseum e.V.Das Deutsche Baumschulmuseum ist das einzige Museum in Deutschland, das sich explizit mit der Bedeutung von Gehölzen und deren Produktion beschäftigt. Es liegt in einem der größten, zusammenhängenden Baumschulgebiete der Welt, dem Pinneberger Baumschulland. Nach langjährigen Bemühungen einer kleinen Zahl besonders engagierter, älterer Baumschuler konnte es 1994 eröffnet werden. 2001 erfolgte die Gründung des gleichnamigen Fördervereins. Der Satzungszweck unseres als gemeinnützig anerkannten Vereins besteht darin, die Geschichte des Baumschulwesens aufzuarbeiten, entsprechende Sammlungen anzulegen und zu pflegen, vor allem aber ein entsprechendes Museum zu betreiben.

Was möchten Sie mit Ihrem Verein erreichen?

Das Deutsche Baumschulmuseum leistet einen besonderen Beitrag zur Umweltbildung, indem es zeigt, warum Bäume in die Schule gehen. Immer weniger Menschen arbeiten und leben mit und von der Natur, umso wichtiger ist es diesen Teil der Menschheitsgeschichte gegenwärtig zu halten. Seit Urzeiten verwenden und verwerten Menschen Gehölze. Ihre Früchte werden verzehrt, ihre Hölzer verbaut und verheizt. Im Übergang von der Natur- zur Kulturlandschaft gewinnen Bäume und Sträucher zunehmend Bedeutung in der Landschaftsgestaltung. Sie frieden Einzelgehöfte und Ortschaften ein, schützen vor Sturm und Wind, dienen der Orientierung, Strukturierung und Verschönerung. Im Zuge des Klimawandels sind sie als CO²-Binder, Schattenspender und Wasserspeicher von immenser Bedeutung für unser aller Überleben.

Menschen haben eine große Vielfalt an Kultur-Techniken entwickelt, um Gehölze produzieren und sie besser und nachhaltiger nutzen zu können. Der aus der aktuellen Natur- und Umweltschutzdiskussion nicht mehr wegzudenkende Begriff der Nachhaltigkeit entstand aus der Einsicht, dass man der Übernutzung der Wälder Einhalt gebieten muss, um die Grundlagen des menschlichen Überlebens sichern zu können. Forstbaumschulen waren eines der ersten Instrumente, um einer vom Menschen selbst verursachten Naturzerstörung entgegen zu treten. Wir zeigen, dass wir immer wieder neu lernen müssen, mit der Natur für eine gesunde Umwelt wirtschaftlich zu arbeiten.

Wie bringen Sie sich persönlich in den Verein mit ein?

Ich bin seit 2007 zunächst beratend, dann zunehmend aktiv dabei und habe 2013 die Museumsleitung im Ehrenamt übernommen, da meine Vorgängerin, Hildegard Lunau, in Erwartung des nahenden 80.ten Geburtstages das Amt abgeben wollte. Sie hatte seit der Vereinsgründung die Museumsleitung inne und war bereits in den Gründungsjahren aktiv. Während Frau Lunau als Baumschuler-Tochter, der der Berufswunsch, Gärtnerin zu werden, verwehrt worden war, ein bisschen aus trotz alledem, vor allem aber aus einem sehr, sehr, großen Erfahrungsschatz schöpfte, bin ich fachfremd was Baumschule betrifft und stamme nicht aus der Region. Als promovierte Historikerin verfüge ich jedoch u. a. über museologische Kenntnisse und habe Ausstellungs-, Organisations- und Publikationserfahrung. Vor allem aber begeistern mich engagierte Menschen und komplizierte Sachverhalte. Das Museum zu erhalten, betrachte ich als eine große Herausforderung. Den Strukturwandel im Agrarbereich als prägende Kindheitserfahrung aus nächster Nähe miterlebt zu haben, ist zudem ein starkes Motiv meines persönlichen Engagements.

Seit 25 Jahren gibt es nun Ihr Museum. Wie hat sich dieses seitdem verändert?

Um das Baumschulmuseum erhalten zu können, muss es sich stetig weiterentwickeln. Das heißt, sowohl die Besucherzahlen als auch die Einnahmen müssen kontinuierlich gesteigert werden. Denn die Aufwendungen für den Erhalt der Sammlung steigen ebenfalls. Allein die Fixkosten aus Miete, Energie und Versicherungen für die als Museumsgebäude genutzte ehemalige Baumschulhalle betragen mehr als 20.000 EUR. Wir brauchen diese Hallengröße jedoch, um unsere Sammlung zumindest im Ansatz angemessen präsentieren zu können und benötigen darüber hinaus weiteren Lagerraum. Um aber, wie es Aufgabe von Museen ist, tatsächlich vermitteln, bewahren und forschen zu können, wären andere klimatische Bedingungen, personelle Ressourcen und finanzielle Mittel erforderlich. Das Herzstück eines Museums ist zwar seine Sammlung, aber Pflege, Dokumentation, Vermittlung und Forschung sind mit weit mehr Arbeit verbunden als sich normale Besucher und historische Laien in der Regel vorstellen können.
Insofern ging unser Museum, wie viele andere auch, den Weg, dass ein paar mutig entschlossene Menschen antraten, Zeugnisse eines für ihr Leben bedeutsamen Bezugsfeldes zu sichern. Motto: Nicht meckern, sondern machen. Das Motiv dabei war, Wissen zu sichern, das die Gründer noch hatten, von dem sie aber zu Recht annehmen durften, dass nachkommende Generationen im Zuge der technischen und sonstigen gesellschaftlichen Entwicklung bald nichts mehr ahnen würden.

Wir haben es hier also mit einer klassischen Laiengründung aus persönlicher Verbundenheit zum Thema zu tun. Im Gegensatz zu Museumsgründungen, die Millionen voraussetzen, um Prestige trächtige Häuser auszustatten, hat sich das Baumschulmuseum vom Sammeln aus Betroffenheit zum Museumsmachen „learning by doing“ entwickelt. Dass es dabei gut vorangekommen ist, zeigt nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Gütesiegel „Zertifiziertes Museum“ im Dezember 2019.

Bieten Sie abwechselnd verschiedene Veranstaltungen in Ihrem Museum an?

Das Interview über den Förderverein Deutsches Baumschulmuseum e.V.Neben unserer Dauerausstellung, die in sechs Stationen erklärt, was Bäume in der Schule lernen, bieten wir jede Saison (Mai bis Oktober) eine Sonderausstellung mit durchschnittlich 2 bis 3 Veranstaltungen pro Monat zum Thema. So zum Beispiel:

-2015: Auf Rosen gebettet – Sonderausstellung zur Kultur einer Pflanze

-2016: Obstgehölze – und so spendet Segen noch immer die Hand

-2017: Grüne Leidenschaften – Pflanzenjäger

-2018: Spezialisten & Spezialitäten – Alles Grün? Oder was?

-2019: Mensch & Landschaft – in Kultur gebracht

Zudem bieten wir Führungen nach Voranmeldung und vereinbarten Terminen sowie ein gesondertes, auf verschiedene Altersstufen zugeschnittenes Umweltbildungsprogramm zum „Mitmachen und Begreifen“ für Schulen und Kitas, ebenfalls nach Vereinbarung

Wie viele Mitglieder unterstützen derzeit Ihren Verein und wie kann man bei Interesse sich in Ihrem Verein anmelden?

Die Mitgliederzahlen unseres Vereins schwanken, da bei Betriebsaufgaben oder Todesfällen Mitgliedschaften storniert werden. Zurzeit haben wir ca. 200 Mitglieder. Der Jahresmindestbeitrag beträgt 25,- EUR für Privatpersonen; 50,- EUR für Firmen. Auf Wunsch kann ein höherer Beitrag eingesetzt werden.

Beitrittsformulare finden Sie unter: www.baumschulmuseum.de
Persönlichen Kontakt können Sie aufnehmen unter: [email protected]

Erfahren Sie auch Unterstützung vom Staat?

Im Zuge unseres 25jährigen Bestehens haben Gespräche mit Vertretern des Kreises Pinneberg und so genannten Baumschulgemeinden, wie Halstenbek und Rellingen, erstmals zu einer Förderzusage für die nächsten 5 Jahre geführt, damit wir im Zuge der Museumszertifizierung zumindest Planungssicherheit bezüglich unserer bereits erwähnten Fixkosten (Miete, Energie, Versicherungen) nachweisen konnten.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich noch mehr von Staat und Gesellschaft?

Mittelfristig bräuchten wir Finanzierungszusagen, um auch qualifiziertes hauptamtliches Personal beschäftigen zu können. Langfristig wünschen wir uns ein Museumsgebäude, das den Ansprüchen an den Erhalt der Sammlung und des Museumsbetriebes gerecht würde.

Grundsätzlich sollten sich Staat und Gesellschaft vergegenwärtigen, dass der Beitrag der Agrarkultur mindestens ebenso bedeutend für das menschliche Zusammen- und Überleben ist wie Leistungen der so genannten Hochkultur.

Auf welche Aktivitäten dürfen sich Ihre Vereinsmitglieder im nächsten Jahr freuen?

Unsere Vereinsmitglieder und alle Interessierten laden wir auch in 2020 zum Besuch der neuen Sonderausstellung und diversen Veranstaltungen ein. Wie immer werden wir zudem Teile der Dauerausstellung verändern.

Der Arbeitstitel lautet:
„Der Geist des Baumes – vom Mythos zum Co²-Binder“
Inhaltlich geht es um den Bedeutungswandel und die vielfältige Symbolik, die wir mit Gehölzen verbinden, aber natürlich auch um Biologie und Produktion von Gehölzen.

Die künstlerische Bereicherung sind in diesem Jahr Baumgesichter, die ein Polizei-Tatort-Fotograf in seiner Freizeit zur Entspannung in Wald und Feld findet.

Saison-Eröffnung ist am 3. Mai 2020 ab 14 Uhr

Der beliebte Jazzfrühschoppen wird in diesem Jahr am 28. Juni stattfinden und am 30. August präsentiert der Verein „Bonsai in Holstein“ seine schönsten Exemplare. Weitere Veranstaltungen finden Sie ab März auf unserer Homepage: www.baumschulmuseum.de

Herzlichen Dank, Dr. Heike Meyer-Schoppa. Wir von ExpertenTesten wünschen Ihnen und dem Förderverein Deutsches Baumschulmuseum e.V. weiterhin viel Erfolg!

Über die Redakteurin

Laura Hoffmann

Laura Hoffmann arbeitet als freie Redakteurin seit 2016 für expertentesten.de. Ihr Kernbereich liegt dabei in der Recherche spannender Interviewpartner aus den Ressorts Kultur, Sport und Wirtschaft.

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