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MENTOR – Die Leselernhelfer HAMBURG e. V. – Unterstützung für Kinder die Schwierigkeiten beim Lesenlernen haben

Das Interview mit Antje Scharpff vom Verein Mentor - die Leselernhelfer HAMBURG e. V.

Bitte stellen Sie sich und Ihren Verein Mentor – die Leselernhelfer HAMBURG e. V. vor. Welche Rolle spielen Sie in dem Verein?

Das Interview mit Antje Scharpff vom Verein Mentor - die Leselernhelfer HAMBURG e. V.Wir möchten, dass alle Kinder lesen können, da das die Grundlage für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe ist. Darum unterstützen wir als lesebegeisterte Erwachsene Kinder zwischen 6 und 16 Jahren, die aus unterschiedlichen Gründen Schwierigkeiten beim Lesenlernen haben. Das geschieht in einer 1:1-Beziehung: Ein Erwachsener trifft sich einmal die Woche mit einem Kind in der Schule. Und das mindestens ein Jahr lang. Der Verein arbeitet dabei eng mit der jeweiligen Grund- oder Stadtteilschule zusammen, die auch die Kinder für die Leseförderung aussucht.

Die Lesementoren an einer Schule werden von einer ebenfalls ehrenamtlich tätigen Koordinatorin oder einem Koordinator betreut. Zurzeit lesen bei MENTOR e.V. in Hamburg 900 Mentoren mit rund 1.000 Kindern an über 110 Schulen. Eine der gut 70 Koordinatorinnen bin ich, habe aber, wie die meisten Kolleginnen, als Mentorin auch selbst ein Lesekind.

Die Lesestunde ist etwas Besonderes, was sich vom Schulunterricht abheben soll, es handelt sich nicht um Nachhilfe. Mentor und Kind entscheiden gemeinsam, was gelesen wird. Mal liest der Mentor, mal das Kind, es wird viel erzählt, gelacht und auch gespielt. Das Kind erfährt Aufmerksamkeit und Wertschätzung, die sonst im Schulalltag und auch zu Hause oft fehlt. Mit der Zeit entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen Mentor und Kind und die ersten Erfolge stellen sich ein. Lehrer berichten, dass Lesekinder mehr Selbstvertrauen bekommen, sich trauen im Unterricht vorzulesen und auch sonst aktiver mitmachen. Und wenn das Entziffern von Wörtern nicht mehr mühsame Arbeit ist, erwacht meist auch das Interesse an Geschichten und der anderen Welt, die zwischen Buchdeckeln versteckt ist. Dazu beigetragen zu haben, macht uns Mentoren glücklich. Und besonders schön ist es, wenn das Lesekind einem schon auf dem Schulhof entgegengelaufen kommt und Klassenkameraden rufen: „Ich möchte auch eine Lesementorin haben!“

Bitte erzählen Sie uns etwas über die Gründung des Vereins, wie kam es dazu, was haben Sie bisher erreicht und welche Höhen und Tiefen hatte Ihr Verein?

Das Interview über die Lesekinder vom Verein Mentor - die Leselernhelfer HAMBURG e. V.Aufgerüttelt durch den Pisa-Schock gründete der Buchhändler Otto Stender 2003 in Hannover den ersten MENTOR-Verein. Schon ein Jahr später traf sich seine Cousine an einem Küchentisch in Hamburg-Altona mit einer Handvoll Gleichgesinnter (Journalistinnen, Lehrerinnen) und bereitete die Gründung von MENTOR – Die Leselernhelfer HAMBURG e.V. vor. Wir konnten 2019 also unseren 15. Geburtstag feiern. In dieser Zeit ist der Verein stetig gewachsen. Anfangs wurde bei den Schulen angefragt, ob sie Interesse an Lesementoren haben. Heute melden sich regelmäßig Schulen aktiv bei uns, die gern betreut werden möchten. Die Warteliste ist zweistellig.

Mit dem Wachstum stellen sich aber auch Fragen: Wie können wir immer mehr Schulen ins Programm aufnehmen, ohne dass die Qualität der Betreuung leidet? Auch in ehrenamtlich tätigen Vereinen fallen Kosten an. Wie gewinnen wir genug Mentoren und Koordinatoren und wie halten und fördern wir sie?

Dank des großen Engagements vieler Mitstreiter hat der Verein die Herausforderungen bisher gut gemeistert und dafür viel Anerkennung bekommen. Schulen sind dankbar für unsere Unterstützung und wir freuen uns über Preise und Auszeichnungen im Bereich Leseförderung, Integration, zivilgesellschaftliches Engagement.

Sie vermitteln ja mit Ihrem Verein Erwachsene, die das Lesen lieben und dies als Mentor an die Kinder weitergeben können. Auf was achten Sie wenn ein Erwachsener sich für diese Arbeit interessiert? Welche Qualifikationen sollte er mitbringen? Bieten Sie Fortbildungsprogramme für Ihre Vereinsmitglieder an?

Das Interview über die Mentoren vom Verein Mentor - die Leselernhelfer HAMBURG e. V.Mentoren hören gut zu, sind einfühlsam, verständnisvoll und geben nicht gleich auf, wenn das Kind mal nicht da ist oder erst auf dem Schulhof gesucht werden muss. Bei uns machen alle mit: Studenten, Berufstätige und Rentner. Jede Generation hat den Kindern etwas zu geben an Lebenseinstellung oder –erfahrung. Wichtig ist dabei die Kontinuität: Mentoren müssen verlässlich sein und regelmäßig über einen längeren Zeitraum zur Lesestunde kommen können. Das ist gerade bei den Jüngeren manchmal schwierig, wenn z.B. der Studienort gewechselt wird. Die Mentoren sollten fest im Leben stehen, denn sie sind manchmal der Fels in der Brandung für ihr Lesekind.

Mit dieser Aufgabe stehen die neuen Mentoren aber nicht allein da. Sie starten mit einem vierstündigen Vorbereitungsseminar, wo viele Fragen im Detail behandelt werden. Außerdem bietet der Verein regelmäßig eine Vielzahl von kostenlosen Fortbildungsveranstaltungen an. Themen sind z.B. gutes Vorlesen, Konzentrationsübungen, Bewegungsspiele, Reim und Rhythmus, seelische Belastung. Diese Seminare sind immer sofort ausgebucht.

Auf welche Probleme treffen Sie beim Unterricht? Und wie meistern Sie diese?

Das Interview über den Verein Mentor - die Leselernhelfer HAMBURG e. V.Es ist ja kein Unterricht, sondern eine individuell gestaltete gemeinsame Stunde. Das Kind kommt freiwillig. Eigentlich. Und trotzdem passiert es natürlich, dass das Kind merkt, ein Lesementor an der Seite genügt nicht, um plötzlich lesen zu können. Da muss man schon selbst etwas tun und das ist manchmal anstrengend. Und die anderen Kinder spielen vielleicht gerade draußen. Da ist es für den Mentor dann gar nicht so einfach, die Balance zwischen Lese- und Spielanteil in der Stunde zu finden. Oder das Kind ist zu müde oder zu aufgedreht. Oder es macht beim Lesen gar keine merkbaren Fortschritte.

Wenn der Mentor Hilfe braucht, wendet er sich an die Lehrerin oder an die MENTOR-Koordinatorin. Diese lädt regelmäßig zu Mentorentreffen ein, wo sich die Möglichkeit für einen Erfahrungsaustausch bietet. Schnell merkt jeder Mentor, dass er mit seinen Problemen nicht allein ist und dass andere Lesekinder (und Mentoren) die gleichen Schwierigkeiten haben. Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht. Auch die Fortbildungen geben wertvolle Tipps.

Bei Ihnen gibt es neben der Möglichkeit als Mentor noch verschiedene Möglichkeiten wie man Sie unterstützen kann. Können Sie uns diese bitte etwas genauer erläutern?

Unterstützung für Kinder die Schwierigkeiten beim Lesenlernen habenWir suchen immer wieder Koordinatoren, die die Verbindung herstellen zwischen den Lesementoren, dem Verein und der Schule. Dazu braucht man Organisationstalent, Menschenkenntnis und einen PC. Eine vielfältige Aufgabe bei freier Zeiteinteilung.

Als Vereinsmitglied kann man die Zukunft von MENTOR e.V. aktiv mitgestalten oder als Fördermitglied die finanzielle Basis absichern.

Unternehmen können engagierten Mitarbeitern eine längere Mittagspause ermöglichen, da nach Feierabend keine Lesestunden in der Schule mehr stattfinden.

Bei Betriebsfeiern, Geburtstagen, Jubiläen könnte auf Geschenke zugunsten von Spenden verzichtet werden.

Nicht zu vergessen die Mund-zu-Mund-Propaganda: Wenn begeisterte Lesementoren anderen von ihrem Ehrenamt erzählen, werden viele neugierig.

Unter anderem arbeiten Sie derzeit mit dem Lesenetz Hamburg zusammen. Wie kam es zu dieser Kooperation und haben Sie noch weitere geplant?

Beim Lesenetz sind wir praktisch von Anfang an dabei, es wurde 2009 auf Initiative der Kulturbehörde gegründet. Dort sind viele Projekte zum Thema außerschulische Leseförderung für junge Leute verknüpft, auch z.B. die Hamburger Öffentlichen Bücherhallen sind dabei. Es geht ums Lesen, aber nicht nur 1:1. Diese Form der Beziehung wird wiederum im Mentor.Ring Hamburg e.V. abgedeckt, wo wir auch Mitglied sind. Dort geht es dann nicht nur ums Lesen, aber immer um Mentor und Mentee. Außerdem sind wir Teil des MENTOR-Bundesverbands. Weitere Kooperationen sind momentan nicht geplant.

Was wünschen Sie sich für Ihren Verein im nächsten Jahr?

Vernünftiges Wachstum in Qualität und Quantität, damit möglichst viele Kinder von der Leseförderung profitieren. Wir können auch noch viel mehr Männer als Leselernhelfer gebrauchen. Und gern Menschen mit Migrationshintergrund.

Vielen Dank, Antje Scharpff. Wir von ExpertenTesten wünschen Ihnen und dem Verein Mentor – die Leselernhelfer HAMBURG e. V. weiterhin viel Erfolg!

Über die Redakteurin

Laura Hoffmann

Laura Hoffmann arbeitet als freie Redakteurin seit 2016 für expertentesten.de. Ihr Kernbereich liegt dabei in der Recherche spannender Interviewpartner aus den Ressorts Kultur, Sport und Wirtschaft.

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