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Datensicherheit in der Krypto-Welt – Wie Sie Ihr Wallet schützen können

Ob Krypto-Profi oder interessierter Beobachter: Die Frage nach der Sicherheit von virtuellen Vermögenswerten hat in den vergangenen Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Blockchain-Technologie mag zwar versprechen, unsere Finanztransaktionen sicherer zu machen, doch gleichzeitig entstehen neue Risiken, die selbst erfahrene Nutzer überraschen können. Die Blockchain selbst mag nahezu unüberwindbar sein, doch wie bei jedem Sicherheitssystem sind die Schwachstellen oft an den Rändern zu finden – bei den Nutzern und ihren Wallets.

Grundlagen

Blockchain-Basics

Die Blockchain ist im Kern eine dezentrale Datenbank, die Transaktionen in Blöcken speichert und kryptographisch verkettet. Diese Architektur sorgt dafür, dass Transaktionen, einmal bestätigt, praktisch nicht mehr verändert werden können.

Die Sicherheit der Blockchain basiert auf zwei Grundprinzipien:

  • Kryptographische Hashes: Komplexe mathematische Funktionen, die Daten in einen einzigartigen “Fingerabdruck” verwandeln
  • Konsensmechanismen: Verfahren wie Proof-of-Work oder Proof-of-Stake, die sicherstellen, dass das Netzwerk sich einig ist

Die Anatomie eines Crypto-Wallets

Entgegen der landläufigen Vorstellung speichert ein Wallet – anders als ein Portemonnaie in der analogen Welt – nicht die Kryptowährung selbst. Diese existiert nur als Einträge in der Blockchain. Das Wallet verwaltet vielmehr die kryptographischen Schlüssel, die Zugriff auf diese Einträge gewähren:

  • Private Key: Ein geheimer Schlüssel, vergleichbar mit einem Bankkonto-Passwort.
  • Public Key: Eine öffentliche Adresse, an die andere Kryptowährungen senden können.
  • Seed-Phrase: Eine Folge von 12-24 Wörtern, aus der alle Ihre Private Keys wiederhergestellt werden können.

Die Begriffe “Hot bzw. Cold Wallets” kannte bis vor kurzer nur, wer sich intensiver mit dem Thema beschäftigt hat. Zuletzt hört und liest man aber auch in den Nachrichten zunehmend davon:

  • Hot Wallets: Online verbundene Wallets (Mobile Apps, Desktop-Programme, Web-Wallets)
  • Cold Wallets: Offline-Speichermedien (Hardware-Wallets, Paper-Wallets)

Bedrohungen

Die Gefahr Nummer Eins

Vielleicht eine überraschende Erkenntnis für viele: Die größte Gefahr für die eigene Wallet sind nicht ausgeklügelte Cyber-Angriffe, sondern Festplatten-Defekte, Bedienfehler, versehentliches Löschen und Ausfälle von Smartphones und Tablets.

Anders als beim Mobile Banking, wo das Geld immer noch auf dem persönlichen Konto liegt, auch wenn man seine PIN vergisst, ist bei Crypto-Wallets die zugehörige Kryptowährung verloren, wenn auf die Schlüssel nicht mehr zugegriffen werden kann. Die letzte und einzige Hoffnung in solchen Fällen sind Datenrettungsspezialisten für Mac, PC oder mobile Geräte.

Klassische Bedrohungen für Krypto-Assets

Natürlich ist das aber nicht die einzige Bedrohung. Auch hier dürfte aber für viele eine Überraschung lauern, denn die häufigsten Angriffe zielen nicht auf die Blockchain selbst, sondern auf ihre Nutzer:

  • Phishing: Täuschend echte Nachahmungen von bekannten Wallet-Diensten oder Exchanges.
  • Malware: Programme, die die Zwischenablage überwachen und Wallet-Adressen austauschen.
  • SIM-Swapping: Angreifer übernehmen die Handynummer, um 2FA-Codes abzufangen.

Neue Sicherheitsbedrohungen

Mit der Evolution des Krypto-Ökosystems entstehen neue Angriffsvektoren:

  • Cross-Chain-Angriffe: Da verschiedene Blockchains miteinander verbunden werden, bieten die Brücken (Bridges) zwischen ihnen neue Angriffspunkte.
  • Flash-Loan-Angriffe: Angreifer leihen sich große Mengen an Kryptowährungen, manipulieren damit Marktpreise und erzielen innerhalb einer einzigen Transaktion Gewinne.
  • MEV (Miner Extractable Value): Miner oder Validatoren können die Reihenfolge von Transaktionen manipulieren, um davon zu profitieren.

DeFi-spezifische Sicherheitsaspekte

Dezentrale Finanzanwendungen (DeFi) bringen eigene Risiken mit sich:

  • Smart Contract Vulnerabilities: Fehler im Code können zu katastrophalen Verlusten führen.
  • Rug Pulls: Entwickler eines Projekts verschwinden mit den investierten Geldern.
  • TVL (Total Value Locked): Je mehr Geld in einem Protokoll gesperrt ist, desto attraktiver wird es für Angreifer.

Sicherheitstechnologien und -maßnahmen

Fortschrittliche Sicherheitstechnologien

Die Kryptoindustrie entwickelt ständig neue Sicherheitsmechanismen:

  • Zero-Knowledge Proofs: Ermöglichen es, die Gültigkeit einer Information zu beweisen, ohne die Information selbst preiszugeben.
  • Multi-Party Computation (MPC): Teilt kryptographische Schlüssel auf mehrere Parteien auf, sodass kein einzelner Teilnehmer die volle Kontrolle hat.
  • Hardware-Security-Module: Spezielle Hardware zur sicheren Aufbewahrung kryptographischer Schlüssel.

Praktische Sicherheitsmaßnahmen für Krypto-Nutzer

Für den durchschnittlichen Nutzer sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  1. Software aktuell halten, und zwar nicht nur die Wallets selbst, sondern auch Browser, Betriebssysteme etc. Denn auch wenn die Wallet nicht das beabsichtigte Ziel eines Angriffs war: Malware, die ganze Festplatten löscht oder verschlüsselt, verschont auch die Schlüssel nicht. Die Datenwiederherstellung von Bitcoin-Wallets und Altcoins, Tokens usw. ist keine triviale Aufgabe – aber möglich für Fachleute für Datenrettung mit jahrelanger Erfahrung, modernster Ausrüstung und einem Labor.
  2. Verwenden von Hardware-Wallets für größere Beträge
  3. Aktivieren von Mehrfaktorauthentifizierung (MFA) wo immer möglich (vorzugsweise mit einer Authenticator-App statt SMS)
  4. Verteilen des Risikos auf verschiedene Wallets und Plattformen
  5. Moderne Seed-Phrase-Sicherung:
    • Shamir’s Secret Sharing: Teilt die Seed-Phrase in mehrere Teile, von denen eine bestimmte Anzahl zur Wiederherstellung nötig ist
    • Social Recovery: Vertrauenswürdige Kontakte können gemeinsam Zugang wiederherstellen
  6. Prüfen der Wallet-Adressen vor dem Senden von Kryptowährungen

Schlussbetrachtung und Ausblick

Die Sicherheit im Krypto-Bereich ist ein ständiger Wettlauf zwischen Angreifern und Verteidigern. Mit steigendem finanziellen Wert steigt auch der Anreiz für Hacker. Gleichzeitig werden Sicherheitstechnologien immer ausgefeilter.

Im dezentralen Finanzsystem ist jeder selbst für seine Sicherheit verantwortlich. “Not your keys, not your coins” ist mehr als ein Slogan – es ist ein Grundprinzip. Die Freiheit der direkten Kontrolle über die eigenen Vermögenswerte bringt Verantwortung mit sich.

Wer die Grundlagen versteht, Risiken kennt und angemessene Sicherheitsmaßnahmen ergreift, kann die Vorteile der Kryptowährungen genießen, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Glossar

  • Blockchain: Dezentrale, kryptographisch gesicherte Datenbank, in der Transaktionen in Blöcken gespeichert und miteinander verkettet werden.
  • Cold Wallet: Offline-Speichermedium für kryptographische Schlüssel, das nicht mit dem Internet verbunden ist.
  • DeFi (Dezentrale Finanzen): Finanzsystem auf Blockchain-Basis ohne zentrale Vermittler wie Banken.
  • Flash Loan: Unbesicherter Kredit, der innerhalb einer einzelnen Blockchain-Transaktion aufgenommen und zurückgezahlt wird.
  • Hot Wallet: Mit dem Internet verbundenes Wallet für Kryptowährungen.
  • MEV (Miner Extractable Value): Gewinn, den Miner durch Manipulation der Reihenfolge von Transaktionen erzielen können.
  • Private Key: Geheimer kryptographischer Schlüssel, der die Kontrolle über Kryptowährungen ermöglicht.
  • Public Key: Öffentliche Adresse, an die Kryptowährungen gesendet werden können.
  • Seed-Phrase: Serie von Wörtern, aus der Private Keys generiert werden können.
  • Smart Contract: Selbstausführendes Programm auf der Blockchain, das automatisch Bedingungen überprüft und Aktionen auslöst.
  • TVL (Total Value Locked): Gesamtwert der in einem DeFi-Protokoll gesperrten Kryptowährungen.
  • MFA (Mehr-Faktor-Authentifizierung): Zusätzliche Sicherheitsebene neben dem Passwort, meist über eine Authenticator-App oder SMS.
  • Zero-Knowledge Proof: Kryptographische Methode, mit der man beweisen kann, dass eine Aussage wahr ist, ohne weitere Informationen preiszugeben.

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